13. Mai 2026
Wolfgang Dickhaut, Stephan Ellerhorst, Susanne Tettinger, Johanna Reisch

26_#2 Blau-grüne Infrastruktur der Stadt

Blau grüne Infrastruktur beschreibt einen integrierten Ansatz der Stadt und Infrastrukturplanung, bei dem Wasser und Grünsysteme gezielt zusammen gedacht und gestaltet werden. Hintergrund sind die spürbaren Folgen des Klimawandels in Städten: Häufigere Starkregenereignisse überlasten Entwässerungssysteme, während Hitzewellen und lange Trockenphasen die Lebensqualität und die Gesundheit der Stadtbevölkerung beeinträchtigen. Blau grüne Lösungen setzen hier an, indem Regenwasser nicht mehr primär abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert, versickert, verdunstet und wiederverwendet wird. Wasser wird dabei als Ressource, Gestaltungs und Kühlungselement verstanden.

Quelle: Sweco

Gleichzeitig gewinnt das urbane Grün eine neue Bedeutung. Bäume, Grünflächen, begrünte Dächer und Fassaden verbessern das Mikroklima, spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung und fördern Biodiversität. Straßen, Plätze und Quartiere werden so zu multifunktionalen Räumen, die technische, ökologische und soziale Anforderungen vereinen. Maßnahmen wie versickerungsfähige Beläge, Mulden und Rigolensysteme, Regenwassergärten, offene Wasserläufe oder speziell gestaltete Baumstandorte ermöglichen es, Flächen mehrfach zu nutzen – im Alltag ebenso wie im Überflutungsfall.

Blau‑grüne Infrastruktur ist ein Schlüssel für klimaresiliente Städte, da sie Hitze, Starkregen und Trockenheit mindert sowie ökologische wie soziale Resilienz stärkt.

– Wolfgang Dickhaut (HCU Hamburg), Stephan Ellerhorst, Susanne Tettinger (Sweco), Johanna Reisch (Henning Larssen)

Praxisbeispiele aus Quartiersentwicklungen, Straßenumbauten und Parkanlagen zeigen, dass durch die Umverteilung von Verkehrsflächen, neue Grün und Wasserstrukturen sowie eine stärkere Aufenthaltsorientierung sowohl die Klimaresilienz als auch die Nutzungsqualität deutlich gesteigert werden können. Solche Projekte machen Wasser im Stadtraum sichtbar und erlebbar und tragen zu Identifikation, Erholung und sozialem Austausch bei.

Die Umsetzung blau grüner Infrastruktur erfordert jedoch veränderte Planungs und Entscheidungsprozesse. Zentrale Voraussetzung ist eine frühzeitige, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Stadtplanung, Wasserwirtschaft, Grün und Verkehrsplanung. Zielkonflikte um knappe Flächen müssen offen verhandelt und überlagerte Nutzungen bewusst gestaltet werden. Ebenso wichtig sind klare Zuständigkeiten sowie tragfähige Konzepte für Betrieb, Pflege und Finanzierung, da die langfristige Funktionsfähigkeit maßgeblich von Unterhalt und Akzeptanz abhängt. Werden die Nutzer:innen frühzeitig eingebunden und die neuen Nutzungsformen verständlich vermittelt, entstehen zukunftsfähige Stadträume, die Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionen dauerhaft miteinander verbinden.

Durch interdisziplinäre Planung entstehen multifunktionale Quartiere, in denen Wasser, Grün und Aufenthaltsqualität gleichwertig und daurhaft zusammenwirken.

– Susanne Tettinger, Johanna Reisch

Essay aus dem Jahrbuch Ingenieurbaukunst 2026.