Mit Intuition und Modell zur Form

Achim-Sattler-EiSat-GmbH
Achim-Sattler-EiSat-GmbH

Achim Sattler ist Geschäftsführer im Ingenieurbüro EiSat. Mit ihm hat Bernhard Hauke über seine Sicht zu Gestaltung, Berechnung und Konstruktion der Ortenau-Brücke als neues Wahrzeichen für die Stadt Lahr im Rahmen der Landesgartenschau 2018 gesprochen.

Wie war die Arbeitsteilung mit den Architekten bei der Formulierung des gestaltprägenden Entwurfes?

Ein wirklich überzeugender Entwurf für ein Ingenieurbauwerk gelingt nur, wenn die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Ingenieur von Anbeginn auf gegenseitigem Respekt und aus Neugier an der Arbeit des anderen basiert. Dazu gehört ein gemeinsames Grundverständnis von Konstruktion und Maßstäblichkeit. Mit den Architekten verbinden uns jahrelange Erfahrung und ein blindes Verständnis im Entwerfen von komplexen Strukturen. Ein gesunder Ehrgeiz, den Vorschlag des anderen jeweils noch besser machen zu wollen, treibt uns an. So ist auch dieser Entwurf von der Aufgabenstellung bis zum letzten Detail gemeinsam entwickelt worden.

Welchen Vorteil bietet die integrale Lagerung des Überbaues für die geometrisch anspruchsvolle Brücke?

Für die schwebende Aufhängung des Überbaus am Pylon ist eine Drehfessel am Widerlager notwendige Bedingung. Die integrale Lagerung ermöglicht den harmonischen Übergang von Stahlbau zu Massivbau. Der Verzicht auf jede Lagerkonstruktion reduziert die Wartung erheblich. Im Gegenzug mussten Zwangskräfte aus Temperatur berücksichtigt werden.

Wie erfolgte die Formfindung für den markanten Pylon?

Hier gingen Intuition des Lastabtrags und experimentelle Formfindung im Modellbau Hand in Hand. Die bereits erwarteten statischen Erfordernisse wurden dann rechnerbasiert geprüft und optimiert. Durch die Pylonkrümmung bildet sich ein stehender Bogen aus, der den nur am Kopf gehaltenen Mast und die harfenartige Abspannung der Seile im Gleichgewicht hält.

Welchen Einfluss hatte die Montage des gekrümmten Stahlüberbaus auf den Verkehrsfluss der Bundesstraße darunter?

Schon beim Entwurf der Brücke bestand die Forderung einer minimalen Störung des Verkehrsflusses in der Bauzeit. Daher wurden die vorhandenen Verkehrsinseln berücksichtigt, um Montageunterstützungen zu setzen. Durch die geeignete Wahl der Segmentgrößen konnte eine Sperrung der Kreuzung auf wenige Tage begrenzt werden. Die Krümmung der Einzelsegmente war dabei durch die enge Stellung der Hilfsstützen vernachlässigbar.

Joachim Sattler (56) diplomierte 1993 an der TU Berlin zum Bauingenieur und gründete 1998 gemeinsam mit Prof. Karen Eisenloffel EiSat Beratende Ingenieure. Das Büro erhielt für seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen und Preise.